Ein Ballettabend mit Musik von Leon Gurvitch im Großen Saal der Elbphilharmonie
Das Hamburger Kammerballett und das Leon Gurvitch Ensemble präsentierten zwei choreografische Werke von Edvin Revazov: die Uraufführung von Silentium sowie Kintsugi. Beide Stücke verband die eindringliche Musik von Leon Gurvitch, der selbst am Flügel zu erleben war und mit feinem Gespür emotionale Spannungsräume eröffnete.
Kintsugi – inspiriert von der japanischen Kunst, Zerbrochenes mit Gold zu heilen – thematisierte Verletzlichkeit und innere Stärke in einer sensiblen, kraftvollen Bewegungssprache. Revazovs Choreografie verwebte Bruchstellen und Annäherung zu einem tänzerischen Dialog zwischen Fragment und Vollendung. Die sieben musikalischen Miniaturen Gurvitchs changierten dabei zwischen Zartheit, Melancholie und rhythmischer Intensität und schufen einen feinen Klangteppich für die Bewegungen der Tänzer:innen.
Silentium entfaltete nach der Pause ein vielschichtiges Tableau aus innerer Stille und äußerem Aufruhr – ein Echo auf die Krisen und Erschütterungen unserer Zeit. Die Choreografie setzte nicht auf plakative Bilder, sondern auf feine Kontraste zwischen Leere und Bewegung, Nähe und Distanz. In der Reduktion lag hier eine ungeheure Kraft.
Besonders eindrucksvoll: die Präsenz geflüchteter Künstler:innen aus der Ukraine, deren persönliche Geschichten in das Stück einflossen. Der Bühnenaufbau im Rund verstärkte die zyklische Dynamik von Wiederkehr, Wandel und Neuanfang. In der Verbindung von Musik, Tanz und Raum entstand ein konzentriertes Erlebnis, das sich ganz der Stille, der Wahrhaftigkeit und dem Menschlichen widmete.
Der Abend endete in langanhaltenden Ovationen – ein stilles wie kraftvolles Zeichen für die Wirkkraft von Kunst in unsicheren Zeiten.



